Eigentlich sollte die Weihnachtszeit eine besonders schöne und friedvolle Zeit sein. Doch das gilt nicht für alle: An den Feiertagen nimmt die häusliche Gewalt gegen Frauen regelmäßig zu. Angebote in über 15 Sprachen wollen Betroffenen helfen.

Gewalt kommt in allen Schichten vor

In vielen Familien kommt es an Weihnachten zu schweren Krächen. Das ist kein Wunder: Die Erwartungen an das Fest sind groß und werden leicht enttäuscht, die Nerven liegen schnell blank. Und wenn die ganze Familie zusammenkommt, flammt so mancher innerfamiliärer Konflikte wieder auf. Dazu haben gerade heute viele Familien große Sorgen, z. B. weil die Kosten für Heizung, Strom und Lebensmittel steigen. Gewalt macht allerdings keinen Unterschied zwischen arm und reich, sie kommt in allen Gesellschafts- und Altersschichten vor.

Von Beleidigungen bis zu Faustschlägen

In weihnachtlich angespannter Situation werden Frust und Ärger oft an Frauen und Kindern ausgelebt. Manchmal bleibt es bei Demütigungen und Beleidigungen. Häufig kommt es zu offenen Aggressionen und Handgreiflichkeiten, manchmal sogar zu Vergewaltigungen. Deshalb weisen Hilfsorganisationen vor den Festtagen auch vermehrt auf ihre Angebote hin.

Im akuten Fall ist (neben der Polizei!) das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ eine bundesweite, niedrigschwellige Anlaufstelle. Es ist unter der Telefonnummer 08000 116 016 jeden Tag rund um die Uhr zu erreichen und wird vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben vorgehalten. Daneben bietet das Amt auf www.hilfetelefon.de Beratung, Informationen und Hilfsangebote zu den verschiedenen Formen von Gewalt gegen Frauen. Betroffene können über die Seite telefonische Hilfe in 18 verschiedenen Sprachen erhalten. Zusätzlich gibt es das Angebot in leichter Sprache und in Gebärdensprache.

Wer vor Ort Anlaufstellen sucht, wird auf der Webseite www.frauen-gegen-gewalt.de fündig. Hier können Betroffene sich aus der Vielfalt der Beratungsstellen eine in ihrer Umgebung aussuchen. Auch diese Webseite bietet informative Inhalte in verschiedenen Sprachen einschließlich Gebärdensprache.

Diskrete Hilfe bei Sexualstraftaten

Opfer von sexueller Gewalt haben häufig Angst, sich nach einer Vergewaltigung medizinisch behandeln zu lassen. Dabei ist dies nicht nur wegen körperlicher Blessuren, sondern auch im Hinblick auf eine eventuelle Schwangerschaft oder eine HIV-Infektion ratsam. Aus Angst, zu einer polizeilichen Anzeige gedrängt zu werden, meiden Betroffene jedoch oft den Gang in die Arztpraxis.

Für diese schwierige Situation bieten zahlreiche Kliniken eine diskrete Lösung. Neben der akuten körperlichen Versorgung nach einer Vergewaltigung findet eine vertrauliche und gerichtsverwertbare Befunderhebung statt. D.h., dass z. B. Spermareste gesichert, Abstriche gemacht oder Misshandlungsmerkmale fotografiert werden. Entschließt sich das Opfer im Nachgang doch noch zu einer Anzeige, können die Materialien verwendet werden. Wird keine Anzeige erstattet, vernichten die Kliniken das Beweismaterial nach einem Jahr. In Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen gibt es schon zahlreiche Kliniken, die bei diesem Projekt mitmachen. Zu finden sind sie neben weiteren Informationen auf der Webseite soforthilfe-nach-vergewaltigung.de.

Quellen: Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, frauen-gegen-gewalt.de, ptaheute